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1. Einleitung
Schmerz, unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das meist mit bereits eingetretenen oder drohenden Gewebeschäden verbunden ist. Messbare Nervenaktivitäten während der Aufnahme von Schmerzreizen durch Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren; lateinisch nocere: schädigen) sowie bei der Weiterleitung dieser Schmerzreize zum Gehirn und deren Verarbeitung in der Großhirnrinde (siehe Cortex) nennt man Nozizeption.
Auch Tiere zeigen Verhaltensweisen, die man als Reaktion auf Schmerzen auffassen muss. Insbesondere die Reaktion von Säugetieren auf Verletzungen gleicht sehr derjenigen von Menschen, die Schmerz empfinden. Andere Wirbeltiere, auch Fische, können sehr wahrscheinlich ebenfalls Schmerzen empfinden (Proceedings of the Royal Society, 2003). Für die meisten wirbellosen Tiere wie Insekten gilt Schmerzempfinden dagegen als eher unwahrscheinlich, kann jedoch insbesondere für Wirbellose mit komplexen Nervensystemen (etwa hoch entwickelte Krebstiere wie Hummer sowie Kopffüßer) keineswegs ausgeschlossen werden. 2. Physiologie des Schmerzes
Akute Schmerzen beginnen mit der Reizung der Nozizeptoren, besonderer Sinnesrezeptoren, die in großer Zahl in der Haut und den inneren Organen liegen. Diese Rezeptoren nehmen Hitze, Druck, Stiche oder Schnitte und andere Ereignisse wahr, die den Organismus schädigen können. Zwei Arten von Nervenfasern leiten diese Information von den Nozizeptoren zum Rückenmark weiter: Die A-Delta-Fasern, die Reize sehr schnell transportieren und offenbar für das akute Schmerzempfinden verantwortlich sind, und die C-Fasern, welche die Impulse langsamer weiterleiten und vermutlich lang anhaltende, quälende Schmerzgefühle verursachen.
Im Rückenmark können die Impulse abgewandelt werden, so dass der Schmerzreiz verstärkt oder (der häufigere Fall) abgeschwächt wird. Anschließend gelangt der Impuls zu verschiedenen Teilen des Gehirns. Das Gehirn lokalisiert den Ursprung der Schmerzempfindung, verbindet die Sinneswahrnehmung mit Erkenntnissen über den Gesamtzustand des Organismus und erzeugt die Gefühlsempfindung, die man Schmerz nennt. Das Gehirn kann auch Nervenfasern aktivieren, die bis zum Ursprungsort des Schmerzes reichen und das Signal abschwächen.
Viele Nerven, die Schmerzreize weiterleiten, schütten den zur Stoffgruppe der Endorphine gehörenden Neurotransmitter Enkephalin aus. Endorphine entstehen auch im Gehirn bei der Verarbeitung der Schmerzimpulse; sie haben wahrscheinlich eine schmerzmindernde Wirkung (das Wort Endorphin ist zusammengesetzt aus endogen, d. h. im Inneren entstehend, und Morphin). Die Verwendung von Enkephalinen als Schmerzmittel wurde diskutiert, doch gibt es schwer wiegende Hindernisse: Sie machen abhängig und werden schnell abgebaut. 3. Psychologische Aspekte
Schmerz ist ein kompliziertes Ereignis; dies zeigt sich u. a. daran, dass manche Soldaten trotz schwerer Verwundungen nicht über Schmerzen klagten oder verletzte Sportler den Schmerz erst nach dem Ende des Wettkampfs spürten. Andererseits verstärkt die Erwartung von Schmerzen die Schmerzempfindung, möglicherweise weil sie Angst auslöst. Die emotionale Komponente des Schmerzes zeigt sich auch an Adjektiven wie „grausam” oder „quälend”, mit denen Schmerz häufig beschrieben wird. 4. Chronische Schmerzen
Patienten mit chronischen Schmerzen klagen jahrelang über Schmerzen. Eine organische Ursache ist oft nicht zu erkennen, so dass man in diesen Fällen von chronischen Schmerzen als eigenem Krankheitsbild spricht. In anderen Fällen liegen chronischen Schmerzen dagegen Krankheiten wie etwa Arthritis zugrunde. Chronische Schmerzen können sogar (offenbar aufgrund der ständigen Überreizung von Nervenzellen) eine möglicherweise reversible Schrumpfung von Hirnmasse zur Folge haben (Journal of Neuroscience, 2004). Viele dieser Patienten sind auf starke Schmerzmittel angewiesen. 5. Schmerztherapie
Schmerzen sind die häufigsten Einzelbeschwerden, deretwegen Menschen einen Arzt aufsuchen. Grundvoraussetzung einer Schmerztherapie ist es, die Ursache der Schmerzen zu ermitteln und möglichst zu beseitigen. Patienten mit starken, lange anhaltenden oder häufig wiederkehrenden Schmerzen (etwa bei Migräne) können sich in Schmerzsprechstunden von Kliniken beraten lassen oder zur Beratung und Schmerztherapie eine Schmerzklinik aufsuchen. Akute Schmerzen, wie sie z. B. nach Verletzungen, Verbrennungen oder chirurgischen Eingriffen auftreten, behandelt man meist mit Schmerzmitteln. Das Spektrum reicht dabei von der Acetylsalicylsäure (Aspirin) bis zum Morphin (siehe Opium). Bei Krebserkrankungen im letzten Stadium wendet man neben Morphin auch Kombinationen aus mehreren schmerzstillenden Wirkstoffen an, darunter solche, die auch psychisch wirken, wie Beruhigungsmittel oder Antidepressiva. Bei manchen Patienten lässt sich der Schmerz nach einer Operation sehr wirksam durch eine Nervenblockade bekämpfen: Man injiziert ein Narkosemittel (siehe Anästhesie) in das nächstgelegene Nervenzentrum, in das die Nerven von der Operationsstelle münden. Statt Spritzen, Tabletten und operativen Eingriffen werden häufig auch sanftere Therapien wie Akupunktur als Alternative eingesetzt.
Für Patienten mit chronischen Schmerzen gibt es Spezialkliniken. Dort versucht man, die Medikamentendosierung zu senken und den Patienten z. B. mit Gymnastik oder Bewegungstherapie sowie Entspannungstechniken wie Hypnose oder Biofeedback zu helfen. Auch psychologische Beratung kann Schmerzen lindern helfen. In anderen Fällen hilft man den Patienten mit einem elektronischen Gerät, dem transkutanen Nervenstimulator, der elektrische Ströme an das Rückenmark abgibt. Warum diese Methode wirkt, ist noch nicht endgültig erforscht; möglicherweise wird das Gehirn dazu angeregt, schmerzstillende Impulse ins Rückenmark zu schicken. Auch Cannabinoide (siehe Hanf) können so eingesetzt werden, dass sie ohne psychoaktive Nebenwirkungen u. a. chronische Schmerzen lindern, die durch Entzündungen oder Nervenschädigungen entstehen.
"Schmerz," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2007 http://de.encarta.msn.com © 1997-2007 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
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