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1. Einleitung
Anästhesie, Ausschalten oder Fehlen der Schmerzempfindung.
Man unterscheidet zwischen allgemeiner Anästhesie, die den ganzen Körper betrifft und in der Regel mit Bewusstlosigkeit verbunden ist, und der Lokalanästhesie, die auf einen bestimmten Körperabschnitt beschränkt bleibt. Ursache ist entweder eine Schädigung von Nerven oder Nervenzentren durch Verletzung oder Krankheit, oder die Anästhesie wird mit Medikamenten zur Linderung oder Ausschaltung von Schmerzen absichtlich herbeigeführt. 2. Geschichte der Anästhesie
In der Antike kannte man nur wenige Anästhesiemittel; die wichtigsten waren Opium und Hanf. Beide wurden entweder eingenommen oder verbrannt, so dass man den Rauch einatmen konnte. Stickoxidul (Lachgas), das der britische Chemiker Sir Humphry Davy um 1800 entdeckte, wurde 1844 von dem amerikanischen Zahnarzt Horace Wells erstmals zur Narkose eingesetzt. Im Jahr 1842 gelang es dem amerikanischen Chirurgen Crawford Long, Ethylether bei einer Operation zur allgemeinen Anästhesie zu verwenden. Er veröffentlichte aber seine Befunde nicht, und deshalb gilt allgemein der amerikanische Zahnarzt William Morton als Erfinder der Narkose. Er führte sie 1846 beim Ziehen eines Zahnes öffentlich vor. Im Jahr 1847 stellte der britische Arzt Sir James Simpson fest, dass man auch Chloroform zur Anästhesie verwenden kann. Später entdeckte man viele weitere Narkosemittel. Ether und Chloroform benutzt man heute wegen ihrer gefährlichen Nebenwirkungen und wegen der Feuergefährlichkeit kaum noch. Manche Anästhetika (z. B. Barbiturate und Halothan) hemmen das Zentralnervensystem; andere dagegen (Stickoxidul, Enfluran) verursachen Gedächtnis- und Empfindungsverlust. 3. Allgemeine Anästhesie
Die allgemeine Anästhesie, auch Vollnarkose genannt, wird vor chirurgischen Eingriffen vorgenommen. Die Muskulatur ist dabei so weit gelähmt, dass eine Operation möglich wird. Um diese einzuleiten, lässt man den Patienten Narkosemittel einatmen: Gase oder flüchtige Flüssigkeiten wie Caclopropan, Stickoxidul, Halothan oder Enfluran. Häufig wird das Narkosemittel durch ein Rohr (den Tubus) unmittelbar in die Luftröhre geleitet.
Heute verwendet man bei der allgemeinen Anästhesie fast immer eine Kombination aus mehreren Narkosemitteln. Bevor der Anästhesist das Mittel zum Einatmen verabreicht, spritzt er zur Einleitung der Bewusstlosigkeit in vielen Fällen ein kurzzeitig wirkendes Barbiturat wie Pentobarbital oder Thiopental-Natrium oder ein angstlösendes Medikament wie Diazepam. Manchmal gibt man zusätzlich Narkose-Schmerzmittel wie Meperidin oder Fentanyl. Damit man mit weniger Narkosegas auskommt, werden manchmal zusätzlich muskelentspannende Wirkstoffe verabreicht, beispielsweise Tubocuranin, Gallamin oder Succinylcholin. Da bei diesen Narkoseverfahren die Muskeltätigkeit ausgeschaltet wird, muss der Anästhesist die Atmung des Patienten mit einem Beatmungsgerät aufrechterhalten. Thiopental-Natrium wird in geringer Dosierung manchmal auch in der Psychiatrie eingesetzt, weil es dafür sorgt, dass die Patienten ungehemmt sprechen. Wegen dieser Wirkung wurde es auch als „Wahrheitsserum” verwendet.
Die Narkose muss während der gesamten Operation beibehalten werden, aber eine zu lange andauernde Anästhesie kann auch tödlich enden, wenn zuerst die Atmung und dann das Herz gelähmt wird. Um die Narkose stets richtig zu dosieren, überwacht man ständig den Zustand des Patienten und erhöht oder verringert die Menge der Narkosemittel je nach Bedarf.
Neue Wege in der Anästhesie werden nach einem 1999 publizierten Bericht der Universität Ulm mit dem Edelgas Xenon beschritten, das man bereits 1951 als Anästhetikum erprobte, aber bislang aus Kostengründen kaum einsetzte. An dieser Universität kombinierte man das Edelgas mit einer Fettemulsion, so dass es in 100fach geringerer Dosis intravenös injiziert werden kann. Eine Überwachung der Atemfunktion ist bei Anwendung dieses Narkotikums unnötig; es hat zudem eine schmerzlindernde Wirkung, wodurch der operierte Patient nach dem Aufwachen nicht mit einem Schmerzmittel behandelt werden muss. 4. Lokalanästhesie
Bei manchen chirurgischen Eingriffen braucht man nicht die gesamte Muskulatur lahmzulegen. Solche Operationen nimmt man unter Lokalanästhesie oder „örtlicher Betäubung” vor: Die Nervenleitung wird vorübergehend blockiert, ohne dass die Nervenfasern Schaden nehmen. Zur Lokalanästhesie injiziert man in das betreffende Gewebe einen synthetischen Wirkstoff wie Procain, das auch unter dem Handelsnamen Novocain bekannt ist.
Eine umfangreichere Lokalanästhesie ist die Leitungsanästhesie. Dazu injiziert man das Narkosemittel in einen Nervenstamm, in die Nähe eines Nerven oder um das ganze Operationsgebiet herum, so dass der gesamte Bereich gefühllos wird. Das vielleicht bekannteste derartige Verfahren ist die Spinalanästhesie, bei der man den Wirkstoff in den Rückenmarkskanal spritzt. Eine schwache örtliche Betäubung, die für viele zahnärztliche Eingriffe und andere kleine Operationen ausreicht, kann man auch durch Kältebehandlung erreichen: Man legt entweder Eis auf den fraglichen Bereich, oder man sprüht eine leicht verdunstende Flüssigkeit wie Ethylchlorid darauf.
"Anästhesie," Microsoft® Encarta® Online-Enzyklopädie 2007 http://de.encarta.msn.com © 1997-2007 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
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